Meinungsaustausch zur NO-COVID Strategie

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Meinungsaustausch zur NO-COVID Strategie

Beitragvon frst am Mi 20. Jan 2021, 13:22

Seit dem 18.01.2021 wurde eine neue proaktive Zielsetzung für Deutschland zur Bekämpfung von SARS-CoV-2 vorgestellt. Ich habe diese hier einmal von der Internetseite der RCU einmal kopiert und in unser Forum eingestellt:

http://www.kommunalberatung-rcu.de/images/textbilder/Corona_Strategie18012021_V1(2).pdf

Wie denkt Ihr darüber?
Zuletzt geändert von frst am Mi 20. Jan 2021, 14:28, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Meinungsaustausch zur NO-COVID Strategie

Beitragvon Peter am Mi 20. Jan 2021, 14:17

Schon seit Monaten wird einmal eine Strategie von der Bundesregierung oder den einzelnen Bundesländern gefordert. Leider besteht die Strategie immer nur darin, dass bei Anstieg der Infektionszahlen durch die Bundeskanzlerin in der Ministerpräsidentenkonferenz Vorschläge unterbreitet werden, wie man durch Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren für die privaten Haushalte, die Lage wieder in den Griff bekommt. Das wird dann von den Ministerpräsidenten zunächst sehr wortreich mitgertragen und in den nächsten Tagen wieder aufgeweicht und vorgeschlagen, wie man zu weiteren Lockerungen kommen könnte. Hier ist doch wenigstens einmal eine nicht so unpraktikable Strategie, wie wir den Treiben mal ein Ende bereiten können, sodass wir wieder einigermaßen normal leben können. Wie man sieht, ist die Strategie auch bereits in Australien umgesetzt worden. Warum geht denn das bei uns nicht? Wir sind doch sonst immer die Vorreiter und die Weltbesten. Inder Tat haben wir aber z. Z. mehr Tote und infizierte als die USA, wenn man das auf je 100000 Einwohner runterrechnet. Es stimmt schon: Wir waren einmal im Juni und Juli sehr gut. Daran sollte man mal anknüpfen.
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Re: Meinungsaustausch zur NO-COVID Strategie

Beitragvon sachsenjäger am Mi 20. Jan 2021, 14:47

Da hast Du wohl Recht. Man muss sich wirklich die Frage stellen, warum bisher keine schlüssige Strategie entwickelt wurde, die sicher auch immer mal fortgeschrieben werden könnte. Das nur "auf Sicht fahren" ist tatsächlich ein Armutszeugnis für Deutschland. Das sehe ich auch so. Interessant finde ich den Appendix. Z. B. zum Mythos des Zielkonfliktes "Gesundheit und Wirtschaft". Wenn man strategisch richtig und wirksam vorgeht, ist das doch im Interesse der Wirtschaft. Wie wir das z. Z. machen, bringt das immer mehr Todesopfer und nicht mehr reparable Folgen in der Wirtschaft. Hoffentlich muss das auch zum Schluss jemand verantworten. Viele meinen, wenn wir die vulnerablen Gruppen z. B. durch Impfung schützen, seien wir in wenigen Monaten durch. Ich habe auch nicht gewusst, dass diese Gruppe etwa 40 % unserer Bevölkerung ausmacht. Also ist auch diese "Idee" wohl nur ein Traum oder eher eine Dummheit. Wir machen da unseren Menschen etwas vor, was so wiederholt nicht aufgeht. Länger veräppeln lassen sich die Leute aber nicht mehr. Die sind weniger von der Pandemie als von den leeren Versprechungen geplagt. So geht das nicht mehr lange gut. Auch die sog. Langfriststrategie der Impfung und dann ist alles in Ordnung. Jeder hatte das auch schon geahnt. Wann erden wir bei dem Tempo den durchgeimpft haben und wie viele lassen sich dann wirklich noch impfen? In kurzer Zeit müssen die Impfstoffe sicher immer wieder angepasst werden, denn dann wirkt der Impfstoff nicht mehr oder nur noch eingeschränkt. Es ist kein Zufall, das unser Produzent den Herstellungsbetrieb "umbaut". Das ist doch aber allen klar. Warum sitzen wir alle diesem Mythos auf? Weil viele die Rettung in der Impfung suchen und sich an dem Strohhalm festhalten wollen. Das kann doch nur ein Teil der Gesamtstrategie sein und nicht die Strategie selbst. Auch das gibt noch ein ganz böses erwachen. Man darf das vertrauen der Bevölkerung nicht weiter verspielen. Die Zahl der Menschen, die das vertrauen verlieren und nicht mehr am gesagten von Bund und Länder glauben wächst derzeit rasant an.

Vielleicht auch mal beim Chef des IfO Institutes nachlesen:

https://theworldnews.net/de-news/in-gru ... -verlassen

Er hat doch völlig Recht. Der "Eiertanz muss endlich aufhören" sonst machen wir das letzte Vertrauen und die Wirtschaft völlig kaputt. Von den nicht notwendigen Toten ganz zu schweigen.
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Re: Meinungsaustausch zur NO-COVID Strategie

Beitragvon rose am Fr 22. Jan 2021, 10:45

Für Euch im Handelsblatt gelesen:

Russland will für „Sputnik“-Impfstoff die EU-Zulassung

Bereits am Dienstag sollen wissenschaftliche Begutachtungen in Deutschland starten. Merkel und Putin hatten zuvor telefonisch über eine mögliche Kooperation bei Impfstoffen gesprochen.

Inzwischen sollen laut Regierungsangaben 1,5 Millionen Russen ohne große Nebenwirkungen damit geimpft worden sein.

Mit „Sputnik V“ hatte Russland bereits im August den weltweit ersten Impfstoff gegen Covid-19 zugelassen. Nun soll in Kürze auch eine Zulassung durch die EU erreicht werden. Die wissenschaftliche Begutachtung dazu beginne am Dienstag in Deutschland, sagte Kirill Dmitrijew der Moskauer Wirtschaftszeitung „Kommersant“. Er ist CEO des Staatsfonds Russian Direct Investment Funds (RDIF), der die Entwicklung und Produktion des Vakzins finanziert.

Anfangs herrschte Skepsis gegenüber dem nach dem ersten Satelliten weltweit benannten Impfstoff, da er in Russland bereits vor dem Einleiten der für Vakzine obligatorischen und entscheidenden dritten Studienphase eingeführt wurde.

Inzwischen sollen laut Regierungsangaben 1,5 Millionen Russen ohne große Nebenwirkungen damit geimpft worden sein. Und auch in anderen Ländern, vor allem in ehemaligen Sowjetrepubliken, Südamerika, Asien und Afrika, ist eine Zulassung erfolgt.

Ein Antrag auf eine Notfallzulassung für Sputnik V wurde laut RDIF am 22. Dezember bei den deutschen Behörden eingereicht. Der Prozess der Registrierung des russischen Impfstoffs bei der Europäischen Arzneimittelagentur (Ema) sei bereits zuvor eingeleitet worden.

Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten am 5. Januar miteinander telefoniert und dabei nach Kreml-Angaben auch über eine mögliche Kooperation bei Impfstoffen gesprochen.

Überall auf der Welt, mit Ausnahme einiger westlicher Länder, sei die Einstellung gegenüber dem russischen Impfstoff positiv, sagte Dmitrijew dem „Kommersant“. Das bestätige eine Umfrage von YouGov in den elf größten Entwicklungsländern, in denen ein Drittel der Weltbevölkerung lebt. Sie habe ergeben, dass mehr als 80 Prozent der Befragten der Plattform, auf der Sputnik V basiert, vertrauen und den russischen Impfstoff gut kennen.

Sputnik V basiert – wie auch der Impfstoff von Astra-Zeneca und der Oxford University – im Gegensatz zu den Vakzinen von Biontech und Moderna auf der sogenannten Vektorentechnologie. Sie hat sich bei Impfstoffen gegen Seuchen wie Ebola und Mers bewährt. Die Umfrage wurde in den Ländern des Nahen Ostens und Südostasiens durchgeführt.

Sputnik V hat laut russischen Angaben bereits die viertmeisten Aufträge auf dem weltweiten Markt für Impfstoffe gegen das Coronavirus generiert. Dieser wird momentan nach Schätzungen auf bis zu 100 Milliarden Dollar taxiert.

Russland hat bisher aber auch große Produktionsengpässe und lässt Sputnik V auch in Südkorea und Indien produzieren.
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Re: Meinungsaustausch zur NO-COVID Strategie

Beitragvon Personalpeter am Fr 22. Jan 2021, 11:26

Hallo Rose,
schön von Dir wieder einmal was zu hören. Warum denn nicht, wenn Sputnik V wirksam ist und keine wesentlichen Nebenwirkungen bekannt geworden sind. Ich halte es auch für gut, wenn man hier in Deutschland mit Russland dahingehend kooperiert, dass es auch unter staatlicher Aufsicht hier produziert werden kann. Wenn es hilft, in Deutschland die Pandemie schneller zu besiegen - ist alles gut. Viele haben gegen den z. Z. einzigen deutschen Hersteller etwas Skepsis. Das scheint auch nicht ganz von der Hand zu weisen sein. Wenn in einem Land nach der Impfung 20 Leute gestorben sind und der "Erfinder", der aus der Türkei stammt mitteilt, dass man mit sowas rechnen müsse, dann hat der für mich seine Seriosität verwirkt. Warum lebt und produziert der eigentlich nicht in der Türkei?
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Re: Meinungsaustausch zur NO-COVID Strategie

Beitragvon Kaktusblüte am Fr 22. Jan 2021, 11:41

Hinsichtlich des CEO von Biontec ist das nicht so, wie Du schreibst. Seine Eltern sind als Fremdarbeiter nach Deutschland gekommen und haben wie viele tausende bei Ford gearbeitet. Er ist auch einer der Direktoren eines Helmholz-Institutes. Dort forscht er über Jahrzehnte. Warum nun Deutschland die Forschung in diesem Institut bezahlt und der Herr privat ein Unternehmen gründet und dort seine staatlich subventionierte Wissenschaft plötzlich vermarktet? Da habe ich eben auch so meine Bedenken.
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Re: Meinungsaustausch zur NO-COVID Strategie

Beitragvon Hansa am Fr 22. Jan 2021, 12:09

Moin, moin.

Was ich an der No-Covid-Strategie gut finde ist:

Gemeinsame Ziele statt von oben nach unten

Das bedeutet, die Kommunen und die dortigen Bürger können das Zepter selbst in die Hand nehmen.

Entscheidend für das Gelingen sind Regeln, die einleuchten und durchgehalten werden, klare Zielvorgaben sowie ein klarer Wiederöffnungsplan. Wie gut ihre Anstrengungen wirken, können die Bürger in Zahlen und dann in Form von Lockerungen in ihrer eigenen Kommune erleben.

Der besondere Charme der Strategie: Statt „von oben“ Maßnahmen ohne konkretes Ausstiegsszenario verordnet zu bekommen, nehmen die Bürger selbst die Bekämpfung der Pandemie in ihrem unmittelbaren Umfeld der eigenen Kommune in die Hand. Ziel ist es, ohne das Virus zu leben und damit die bürgerlichen Freiheiten vollständig wiederherzustellen. Das es auch heute geht zeigt die Stadt Münster. "Grüne Zone" fast erreicht. 18-30 Infektionen am Tag. Prima.

Die Autoren schreiben: "Im Zentrum stünden nicht „Gesundheit“ oder Intensivbetten, „sondern die gesamte Gesellschaft und die Wiederherstellung der bürgerlichen Freiheiten. Es gibt klar definierte, verbindliche Ziele und Kriterien. Die Bevölkerung wird Teil des gemeinsamen Ziels und ein wichtiger Akteur bei der Zielerreichung“

Der theoretische Physiker Yaneer Bar-Yam hat sich das No-Covid-Konzept mit seinen grünen Zonen ersonnen. Er ist Direktor des New England Complex Systems Institute (NECSI) in Cambridge. Auf Basis seiner Ideen haben auch Australien und Neuseeland Covid-19 weitestgehend eingedämmt.
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